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Döbelner Allgemeine Zeitung

DAZ 21.06.2007
Noch etwas schwer taten sich die beiden Pferdebahn-Pferde Günni und Endro bei den ersten Probefahrten vor dem Pferdebahnwagen im Mai. Deshalb werden sie jetzt noch eine Weile für ihren Einsatz trainiert und kamen bei der Premiere die beiden erfahrenen und extrem ruhigen Kaltblüter Elli und Jule zum Einsatz. Tierfreunde müssen sich aber um die Pferde keine Sorgen machen. Ein Tierschutzexperte nahm die Pferdebahn unter die Lupe und bescheinigte, dass der Betrieb tierschutzgerecht sei.

Döbeln (TS).
Die Pferdebahn und der Tierschutz

Döbelner Touristenmagnet ist weltweit in aller Munde - doch Tierfreunde fragen auch kritisch nach Döbeln. Die Döbelner Pferdebahn ist in aller Munde. In unzähligen Foren und Bloggs kursieren Videos und Bilderserien von der Wiederinbetriebnahme der Pferdebahn im weltweiten Internet. Begeistert tauschen sich Eisenbahn- und Straßenbahnfans über die neue Döbelner Attraktion aus. Allein 612 Treffer finden sich in der Google-Suche zum Stichwort Pferdebahn Döbeln. Immer wieder sieht sich der Pferdebahnverein aber auch mit Nachfragen von Tierfreunden konfrontiert.
"Das arme Pferd muss sich bei der größten Hitze schinden? Ob das Wohl dem Tierschutz entspricht?" "Es ist gut so, dass die Leute danach fragen. Wir haben uns vor Inbetriebnahme der Döbelner Pferdebahn genau diese Fragen auch gestellt und können nun die Bedenken von Tierfreunden mit gutem Gewissen und einem unabhängigen Gutachten ausräumen", sagt Uwe Hitzschke, Vorsitzender des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn. Nach einem Tipp von Elsbeth Pohl-Roux aus Klosterbuch verpflichteten die Döbelner beim Europ Pferde Institut in Fürth einen unabhängigen Sachverständigen. Dieser kam am 10. Mai nach Döbeln und sah sich die Fakten an. Die Schienentrasse wurde abgelaufen. Mario Lommatzsch vom Kutscherhof Ebersbach wurde fachlich interviewt, seine Pferde besichtigt. Dann ging der Gutachter ins Detail. Das Leergewicht des Pferdebahnwagens beträgt 2040 Kilogramm. 16 Sitzplätze und sechs Stehplätze (je drei auf jedem Perron) ergeben 22 Personen bei voller Beladung. Das entspricht einem durchschnittlichen Gesamtgewicht von 3690 Kilogramm. Das Eigengewicht des Pferdes benannte der unabhängige Experte mit im Durchschnitt 700 Kilogramm. Bei einer der ersten Probefahrten wurde zudem mit einem Zugkraftmesser der Zugwiderstand des Pferdebahnwagens gemessen. Denn das Pferd muss den Wagen auf Rädern ziehen und nicht heben. Beim leeren Wagen entspricht der Zugwiderstand des Wagens auf den Schienen einem Gewicht 60 Kilogramm. Das sind 8,5 Prozent des Körpergewichtes eines Pferdes. Voll beladen sind es 80 Kilogramm Zugwiderstand, was 11,5 Prozent des Pferdegewichtes entspricht. Zuguterletzt nahm der Gutachter als Puffer, auch wegen kleiner Steigungen, 100 Kilogramm Zuglast an. Das entspricht 14,3 Prozent des Eigengewichtes eines Warmblutpferdes. Bei schwereren Kaltblütern wird das Verhältnis noch günstiger. "Die mögliche Dauerleistung eines Pferdes, das bis zu 20 Prozent seines Eigengewichtes ziehen kann, wird in keinem Fall erreicht. Es bestehen deshalb aus sachverständiger Sicht keine Bedenken gegen den Einsatz vor einem solchen einspännigen Pferdebahnwagen. Die zu erwartende Arbeitsleistung eines einzelnen Pferdes steht damit im Einklang mit dem Tierschutz", attestierte der unabhängige Gutachter.

Dennoch werden die Pferde nur im Zweischichtbetrieb an einem Pferdebahnwochenende vor den Wagen gespannt. Die Pferde Günni und Endro vom Kutscherhof in Ebersbach sollen nach wie vor die Stammpferde der Döbelner Pferdebahn werden. Sie wurden aber im Ergebnis der ersten Probefahrten vor der Eröffnung der Pferdebahn zurückgestellt, um von Kutscher Mario Lommatzsch noch ein wenig länger auf ihre Aufgabe vorbereitet zu werden. Deshalb wurde für das Eröffnungswochenende und für die nächsten Pferdebahntermine Peter Hennig mit seinen Kaltblütern Elli und Jule aus Kohren-Sahlis verpflichtet. Die beiden sind extrem ruhige Gemüter. Elli war bereits im Fernsehfilm "Die Flucht" zu sehen und ist der ganze Stolz von Kutscher Peter Hennig "Sie ist mein ein und alles. Ich würde Elli nicht vor die Pferdebahn spannen, wenn sie sich dabei schinden müsste, " sagt er. Thomas Sparrer

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